/ Software-Lexikon
Strangler-Fig-Pattern
Migrationsmuster, bei dem ein Altsystem Stück für Stück von neuer Software umwachsen und ersetzt wird — ohne riskanten Big Bang.
Das Strangler-Fig-Pattern (nach Martin Fowler, benannt nach der Würgefeige) ist ein Muster zur schrittweisen Ablösung von Altsystemen: Neue Funktionen entstehen außerhalb des Altsystems, ein vorgeschalteter Zugriffspunkt (Fassade, Proxy oder Routing-Schicht) leitet Anfragen nach und nach vom alten auf das neue System um.
Der entscheidende Vorteil gegenüber dem Big-Bang-Rewrite: Das Altsystem bleibt während der gesamten Migration produktiv. Jeder migrierte Teilprozess geht einzeln live, wird einzeln verifiziert und kann im Zweifel einzeln zurückgerollt werden. Das Migrationsrisiko sinkt von „alles oder nichts“ auf handhabbare Einzelschritte.
Die Kehrseite: Über die Laufzeit existieren zwei Systeme parallel — mit doppeltem Betrieb, Datensynchronisation und klaren Regeln, welches System für welche Daten führend ist. Das Muster verlangt Disziplin in der Datenhaltung, belohnt aber mit planbarem Risiko.
Für den Mittelstand heißt das
Für den Mittelstand ist das Strangler-Fig-Pattern meist der einzige realistische Weg, ein geschäftskritisches Altsystem zu ersetzen: Der Betrieb darf nicht stehen, und das Budget verteilt sich auf nachvollziehbare Etappen statt auf einen Blindflug mit Stichtag.