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Abläufe automatisieren — erst prüfen, ob es dafür KI braucht

Von den Vorhaben, die uns als KI-Projekt vorgelegt werden, braucht ein Teil gar keine KI. Das festzustellen kostet ein Gespräch; es nicht festzustellen kostet ein Projekt. Deshalb steht hier die Triage vor dem Angebot — mit vier Ausgängen, von denen zwei ohne uns auskommen.

Regel, Schnittstelle oder Modell?

Drei Techniken lösen dieselben Aufgaben, und sie unterscheiden sich um den Faktor zehn in Kosten, Nachvollziehbarkeit und Betriebsaufwand. Welche passt, entscheidet sich an vier Fragen — nicht am Wunsch und nicht am Trend.

Regel, Schnittstelle oder Modell?

Vier Fragen, bevor irgendjemand über Technik redet. Zwei der vier möglichen Ergebnisse laufen ohne uns — dann steht das hier auch so.

Was soll die Maschine mit der Eingabe tun?

Was die drei Techniken wirklich unterscheidet

Die Entscheidung fällt nicht an der Frage, was möglich ist — mit einem Sprachmodell ist fast alles möglich. Sie fällt an vier Eigenschaften, die im Betrieb zählen und im Angebot selten stehen.

RegelSchnittstelleModell
Gleiche Eingabe, gleiches ErgebnisImmerImmerNicht garantiert. Für Buchungen und Bescheide ist das ein Ausschlusskriterium.
Begründbarkeit im EinzelfallVollständig — man kann die Regel zeigenVollständigEingeschränkt. Man kann zeigen, was das Modell bekam, nicht warum es so entschied.
Laufende Kosten je VorgangPraktisch nullPraktisch nullFallen dauerhaft an und wachsen mit der Menge.
Umgang mit UnerwartetemBricht ab oder entscheidet falschBricht abDie eigentliche Stärke — hier ist ein Modell konkurrenzlos.
Woran sich die Wahl entscheidet

Die praktische Konsequenz aus dieser Tabelle: Ein Modell gehört dorthin, wo Eingaben unvorhersehbar sind. Überall sonst ist es die teurere Antwort auf eine gelöste Frage.

In der Praxis läuft es fast nie auf eine der drei Techniken allein hinaus, sondern auf eine Reihenfolge: Regeln fangen die Fälle ab, die eindeutig sind, eine Schnittstelle holt, was schon irgendwo steht, und ein Modell bekommt nur den Rest. Diese Reihenfolge halbiert die Betriebskosten, weil das teure Verfahren nur noch die schwierigen Fälle sieht — und sie macht das Ergebnis überprüfbar, weil der Großteil der Vorgänge einer nachvollziehbaren Regel folgt.

Die Maschine schlägt vor. Ein Mensch entscheidet.

Das ist keine Haltungsfrage, sondern eine Bauweise — und sie ist der einzige Grund, warum sich Automatisierung in Bereichen mit Außenwirkung überhaupt verantworten lässt. Bei Omid laufen über 200.000 Leads durch eine solche Pipeline: Jeder Lauf ist protokolliert, jede Übernahme nachvollziehbar, und an der Stelle, an der es teuer würde, sitzt ein Mensch.

Was diese Bauweise praktisch bedeutet: Die Maschine sortiert vor, schlägt zu, bereitet auf. Der Mensch bestätigt — bei eindeutigen Fällen in einem Zug, bei unsicheren einzeln. Das klingt nach halber Automatisierung und ist in der Rechnung meist die bessere: Neunzig Prozent der Bearbeitungszeit fallen weg, das Risiko bleibt beherrschbar, und niemand muss erklären, warum eine Maschine einem Kunden abgesagt hat.

Der Übergang zur vollen Automatisierung ist danach eine Einstellung, keine Neuentwicklung — und man trifft sie mit Zahlen aus dem eigenen Betrieb statt mit einer Zusage aus einem Angebot. Nach ein paar Monaten wissen Sie, in welchen Fallgruppen der Vorschlag so gut wie immer bestätigt wird. Genau dort schaltet man die Freigabe ab, sonst nirgends.

Wo Automatisierungsprojekte scheitern

Vier Muster, die wir wiederholt gesehen haben. Keines davon ist ein technisches Problem.

  1. Der Ablauf war nie beschrieben. Er läuft seit Jahren, drei Leute kennen ihn, und jeder kennt eine andere Fassung. Automatisierung erzwingt eine Entscheidung darüber, welche gilt — und diese Entscheidung ist die eigentliche Arbeit.
  2. Die Ausnahmen wurden vergessen. Der Regelfall ist in zwei Wochen gebaut. Danach kommen die vierzehn Sonderfälle, von denen zwölf beim ersten Gespräch niemand erwähnt hat, weil sie selbstverständlich sind.
  3. Es gibt keinen Vorher-Wert. Ohne Messung des Ist-Zustands lässt sich der Erfolg nicht zeigen, und ein Vorhaben, dessen Erfolg niemand zeigen kann, bekommt kein zweites Budget. Die Messung gehört vor den Start, nicht danach.
  4. Die eingesparte Zeit bündelt sich nicht. Vierzig Stunden im Jahr, verteilt auf zwölf Personen, geben niemandem einen Tag zurück. Sie machen den Tag angenehmer — als Ersparnis in einer Wirtschaftlichkeitsrechnung taugen sie nicht.

Der vierte Punkt ist der, an dem die meisten Rechnungen brechen, und er steht in keinem Werbematerial. Deshalb steht er im Rechner auf der nächsten Seite ausdrücklich als Vorbehalt unter dem Ergebnis.

Wie wir daran arbeiten

  1. Ablauf aufschreiben, mit den Ausnahmen. Ein bis zwei Termine, meist mit den Leuten, die ihn wirklich ausführen — nicht mit denen, die ihn beschreiben können.
  2. Ist-Wert messen. Wie viele Vorgänge, wie lange je Vorgang, wie viele Rückfragen. Ohne diese Zahlen gibt es später keinen Nachweis.
  3. Triage: Regel, Schnittstelle oder Modell — und für welchen Anteil der Fälle jeweils.
  4. Kleinste sinnvolle Stufe bauen und in Betrieb nehmen, mit Freigabe durch einen Menschen. Nicht als Erprobung nebenher, sondern im Tagesgeschäft.
  5. Nach drei Monaten anhand der echten Zahlen entscheiden, wo die Freigabe entfallen kann und wo nicht.

Was wir nicht tun: eine Erprobung bauen, die nicht in den Betrieb geht. Ein Vorhaben, das drei Monate nebenherläuft und danach bewertet wird, misst die Begeisterung der Beteiligten und nicht den Nutzen. Die kleinste Stufe geht in Betrieb, oder sie wird nicht gebaut.

Häufige Fragen

Landen unsere Daten bei einem amerikanischen Anbieter?

Nur wenn Sie es wollen, und dann steht es im Vertrag. Es gibt für die meisten Aufgaben Modelle, die in Europa betrieben werden oder auf eigener Infrastruktur laufen. Der Unterschied kostet Geld und Leistung, deshalb ist es eine Entscheidung und keine Voreinstellung — aber sie wird vor dem Bauen getroffen, nicht danach.

Wird unser Material zum Training verwendet?

Bei den geschäftlichen Zugängen der großen Anbieter ist das vertraglich ausgeschlossen; bei den kostenlosen Endkundenversionen nicht. Das ist einer der Punkte, an denen eine im Alleingang eingeführte Nutzung teuer wird — und ein Grund, den Weg über eine kontrollierte Anbindung zu gehen.

Was passiert, wenn das Modell einen Fehler macht?

Das hängt an der Eingriffstiefe, die Sie gewählt haben. Schlägt es nur vor, korrigiert ein Mensch, und der Fall taucht in der Auswertung auf. Entscheidet es selbst, brauchen Sie eine Stichprobe, eine Kennzahl und einen definierten Weg zurück. Welche Tiefe wofür vertretbar ist, steht auf der Seite zum Einbau ins Bestandssystem.

Können Sie unsere bestehende Software um KI erweitern?

In den meisten Fällen ja, ohne sie abzulösen. Der übliche Weg führt über die Datenbank oder eine vorhandene Schnittstelle; die Anwendung selbst bleibt unangetastet. Was das im Einzelnen bedeutet — und welche vier Eingriffstiefen es gibt —, steht auf der Seite zum Bestandssystem.

Ab welcher Größe lohnt sich das?

Die Schwelle liegt bei uns bei etwa 12.000 Euro Ersparnis im Jahr. Darunter dauert die Amortisation über drei Jahre, und in drei Jahren hat sich der Ablauf selbst geändert. Der Rechner auf der Seite zu den Prozessen sagt Ihnen das mit Ihren eigenen Zahlen — auch dann, wenn das Ergebnis gegen ein Projekt spricht.

Wie es weitergeht

45 Minuten mit dem Geschäftsführer. Kostenlos.

Sie beschreiben Ihren Prozess. Wir sagen Ihnen ehrlich, ob sich eine Eigenentwicklung für Sie rechnet — und wenn nicht, welches Standardprodukt besser passt. Danach bekommen Sie eine Einschätzung zu Aufwand und Kosten. Keine Präsentation, kein Verkaufsgespräch.

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