Vier Fragen
Website oder Anwendung?
Vier Fragen. Bei einem der drei Ergebnisse sind wir der falsche Anbieter — dann steht hier, wonach Sie stattdessen suchen.
Warum ein Login alles ändert
In Angeboten steht der Login als Zeile mit einem Preis daneben. Das ist irreführend, und zwar nicht ein bisschen. Mit dem Login entsteht eine Eigenschaft, die eine Website nicht hat: Zwei Menschen rufen dieselbe Adresse auf und müssen Unterschiedliches sehen. Ab diesem Moment ist ein Anzeigefehler kein Anzeigefehler mehr, sondern ein Datenleck.
Daran hängt eine Kette von Entscheidungen, die alle vor der ersten Maske getroffen werden müssen: Wie werden Sitzungen verwaltet und wann laufen sie ab. Wie werden Passwörter zurückgesetzt, ohne dass daraus ein Weg ins Konto eines Fremden wird. Was passiert mit den Daten eines Nutzers, der das Unternehmen verlässt. Wer darf einen anderen Nutzer anlegen, sperren, löschen. Und die Frage, an der die meisten Standardprodukte reißen: Darf jemand nur einen Teil der Daten seines eigenen Unternehmens sehen?
Die Prüffrage, an der man es festmacht: Wenn zwei Personen dieselbe Adresse aufrufen und dasselbe sehen sollen, ist es eine Website. Sobald sie Unterschiedliches sehen müssen, ist es eine Anwendung — unabhängig davon, wie viele Seiten sie hat.
Der zweite Auslöser ist unabhängig vom Login: Sobald im Betrieb Datensätze entstehen, die jemand später wiederfinden muss, brauchen Sie ein Datenmodell, eine Suche und eine Antwort auf die Frage, was mit alten Vorgängen passiert. Ein Kontaktformular, das eine E-Mail auslöst, erzeugt keinen Datensatz — es erzeugt eine E-Mail. Ein Vorgang mit Status ist etwas anderes.
Vier Anbietertypen, und wofür jeder taugt
Die Grenze zwischen Website und Anwendung ist zugleich eine Grenze zwischen Anbietermärkten. Wer sie kennt, spart sich zwei Gesprächsrunden.
| Anbietertyp | Stark bei | Wird zum Problem, wenn |
|---|---|---|
| Werbe- oder Webagentur | Gestaltung, Text, Bild, Sichtbarkeit, Redaktionssysteme. Das ist ein eigenes Handwerk, und es ist nicht unseres. | …ein Login, eigene Vorgänge oder eine Anbindung dazukommen. Dann wird die Anbindung typischerweise an einen Freiberufler vergeben, und nach einem Jahr ist niemand mehr zuständig. |
| Softwarehaus | Anwendungen mit Rollen, Vorgängen und Anbindungen. Fachlichkeit, Datenmodelle, Betrieb über Jahre. | …es um Gestaltung und Sichtbarkeit geht. Sie bekommen eine technisch einwandfreie Seite, die aussieht wie von einer Softwarefirma. |
| Systemhaus oder IT-Dienstleister | Betrieb, Netzwerk, Arbeitsplätze, Serverlandschaft, Standardsoftware einführen und betreuen. | …eigene Fachlogik entstehen soll. Individualentwicklung ist ein anderes Geschäft als Betrieb, auch wenn beide „IT“ heißen. |
| Freiberufler | Abgegrenzte Aufgaben mit klarem Ende, schnelle Umsetzung, günstiger Einstieg. | …etwas über Jahre laufen und weiterentwickelt werden soll. Das ist kein Qualitätsurteil, sondern eine Frage der Verfügbarkeit über die Zeit. |
Die dritte Zeile verdient einen Zusatz, weil sie in Suchergebnissen ständig auftaucht: „IT-Dienstleister“ ist ein häufig gesuchter Begriff, und die Anbieter dahinter machen überwiegend Betrieb — Arbeitsplätze, Netzwerk, Standardsoftware. Das ist wertvolle Arbeit und hat mit Individualentwicklung wenig zu tun. Wer nach einem IT-Dienstleister sucht und ein Fachsystem meint, bekommt regelmäßig Angebote für etwas anderes.
Wenn es eine Website ist: worauf Sie achten sollten
Wir bauen keine Websites. Trotzdem steht dieser Abschnitt hier, weil die Frage regelmäßig gestellt wird und weil drei Punkte in Website-Angeboten fast immer fehlen — und später am meisten kosten.
- Wem gehört die Seite nach der Abnahme, und wo läuft sie? Wenn Domain und Hosting beim Anbieter liegen und die Seite in einem System steckt, das nur er bedienen kann, ist der Wechsel teuer. Fragen Sie danach, bevor Sie unterschreiben, nicht wenn Sie wechseln wollen.
- Wie schnell lädt sie, und woran wird das gemessen? Lassen Sie sich Werte an einem echten Gerät über Mobilfunk zeigen, nicht im Büro-WLAN. Der Unterschied ist erheblich und entscheidet über Sichtbarkeit und Abbrüche.
- Ist sie barrierefrei — und fällt sie überhaupt unter das BFSG? Eine reine Informationsseite fällt nicht darunter. Sobald jemand darauf bucht oder bestellt, schon. Diese Grenze verläuft am Vertragsschluss, und sie wird in Angeboten praktisch nie erwähnt.
Und ein Punkt zum Redaktionssystem: Lassen Sie sich das Bearbeiten einer bestehenden Seite vorführen, nicht das Anlegen einer neuen. Der Unterschied ist erheblich, und er entscheidet darüber, ob Ihre Leute die Seite wirklich pflegen oder ob jede Änderung eine Rechnung auslöst.
Der teure Grenzfall
Eine Website ohne Login und ohne eigene Vorgänge, die aber an ein anderes System angebunden ist — Lagerbestand, Kalender, Preisliste. Dem Wesen nach eine Website; in der Verantwortung ein Softwarevorhaben.
Der übliche Ausgang: Die Agentur baut die Seite, ein Freiberufler baut die Anbindung, und nach einem Jahr ist niemand mehr zuständig. Vermeiden lässt sich das, indem eine Seite die Verantwortung für beides trägt — welche, ist zweitrangig. Wichtiger ist, dass jemand vorher drei Fragen beantwortet: Wie oft werden die Daten geholt? Was zeigt die Seite, wenn das andere System nicht antwortet? Und wer bemerkt es dann?
Die dritte Frage ist die, an der es in der Praxis hängt. Eine Anbindung, deren Ausfall niemandem auffällt, zeigt wochenlang veraltete Preise — und das merkt zuerst der Kunde.
Häufige Fragen
Kann man mit einer Website anfangen und später eine Anwendung daraus machen?
Selten sinnvoll. Ein Redaktionssystem ist auf Inhalte ausgelegt, nicht auf Vorgänge; was daraus wächst, ist meist eine Sammlung von Erweiterungen, die bei jedem Update bricht. Was funktioniert, ist das Gegenteil: eine schlanke Website jetzt und die Anwendung als eigenes System daneben, verbunden über eine Anmeldung. Zwei saubere Dinge sind billiger als ein zerdehntes.
Unsere Agentur sagt, sie kann das auch. Sollen wir wechseln?
Nicht automatisch. Fragen Sie nach einem laufenden System mit Rollen und Anbindung, das sie gebaut hat, und nach dem Ansprechpartner dazu. Wenn es das gibt, ist die Frage beantwortet. Wenn die Antwort auf Gestaltungsprojekte ausweicht, wissen Sie ebenfalls Bescheid — und können die Zusammenarbeit trotzdem für den Teil behalten, den sie gut kann.
Wir brauchen beides. Zwei Anbieter oder einer?
Zwei Anbieter mit einer klaren Schnittstelle funktionieren gut, solange klar ist, wem die Domain gehört, wo was läuft und wer bei einer Störung als Erster angerufen wird. Diese drei Punkte gehören schriftlich fixiert, bevor beide anfangen — danach ist es eine Verhandlung zwischen zwei Anbietern, die Sie moderieren.
Wie es weitergeht
45 Minuten mit dem Geschäftsführer. Kostenlos.
Sie beschreiben Ihren Prozess. Wir sagen Ihnen ehrlich, ob sich eine Eigenentwicklung für Sie rechnet — und wenn nicht, welches Standardprodukt besser passt. Danach bekommen Sie eine Einschätzung zu Aufwand und Kosten. Keine Präsentation, kein Verkaufsgespräch.
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