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Kundenportal entwickeln lassen. Und wann Sie das besser nicht tun.

Bevor wir darüber reden, was ein Kundenportal kann: In drei Situationen raten wir davon ab, eines bauen zu lassen. Sie kommen häufiger vor als der Fall, in dem sich Eigenentwicklung lohnt — und wenn eine davon auf Sie zutrifft, haben Sie hier in fünf Minuten mehr gewonnen als in einem Erstgespräch.

Drei Situationen, in denen wir abraten

1. Sie wollen ein Portal, weil ein Wettbewerber eines hat

Das ist der häufigste Anlass und der schlechteste. Ein Portal ist kein Produktmerkmal, sondern eine Verlagerung von Arbeit: Was heute Ihr Innendienst per Telefon und E-Mail erledigt, erledigen danach Ihre Kunden selbst. Das funktioniert nur, wenn Ihre Kunden diese Arbeit auch übernehmen wollen — und ob sie das wollen, hängt daran, wie oft sie mit Ihnen zu tun haben.

Die Faustregel, an der wir das prüfen: Ein Kunde, der zweimal im Jahr etwas bestellt, wird sich kein Passwort merken. Er ruft weiterhin an, und Sie betreiben ein Portal für niemanden. Bei wöchentlichem Kontakt sieht es anders aus — dann ist das Anmelden schneller als das Anrufen, und das Portal setzt sich von selbst durch.

2. Ihr Kernsystem bringt bereits ein Portal mit

Fast jede gängige Warenwirtschaft, jedes ERP und viele Branchenlösungen haben inzwischen ein Kundenportal im Lizenzumfang. Es sieht selten schön aus, es lässt sich selten gut anpassen — aber es hat Ihre Daten bereits, ohne Schnittstelle, ohne Abgleich, ohne die Frage, welches System die Wahrheit hält.

Wir haben in mehr als einem Erstgespräch festgestellt, dass die gewünschte Funktion seit Jahren im Lizenzumfang steckt und nur nie eingeschaltet wurde. Fragen Sie zuerst dort, bevor Sie mit uns reden. Wenn die Antwort „geht, aber sieht schlecht aus“ lautet, ist das noch kein Grund für ein eigenes System — Optik ist die billigste aller Anforderungen und die teuerste Begründung.

3. Niemand bei Ihnen ist zuständig

Ein Portal ist kein Projekt mit Ende, sondern ein Betrieb mit Anfang. Es braucht jemanden, der Nutzer anlegt und sperrt, der entscheidet, was eine neue Kundengruppe sehen darf, der Rückfragen beantwortet und dem auffällt, wenn zwei Wochen lang niemand mehr etwas hochgeladen hat.

Wenn diese Rolle nicht besetzt ist — nicht als Stelle, aber als benannter Mensch mit Zeit dafür —, wird das Portal nach einem halben Jahr zur Karteileiche. Wir haben das gesehen, und es ist der teuerste aller Ausgänge: Die Investition ist getätigt, die Kunden haben es einmal probiert, und der nächste Versuch ist dadurch schwerer, nicht leichter.

Wenn keiner dieser drei Punkte auf Sie zutrifft, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie ein Portal brauchen — und dann geht es nur noch um den Zuschnitt und den Preis. Beides steht weiter unten.

Der Punkt, an dem Standardprodukte reißen

Standardportale sind gut in dem, wofür sie gebaut sind: Belege anzeigen, Bestellungen aufgeben, Stammdaten ändern. Sie reißen an drei Stellen, und zwar zuverlässig an denselben.

AnforderungStandardproduktWarum es dort reißt
Ein Kunde soll nur einen Teil seiner eigenen Daten sehenGeht meist nichtDas Rechtemodell trennt Kunden voneinander, nicht innerhalb eines Kunden. Filialleiter, Objektbetreuer und Einkauf brauchen aber verschiedene Ausschnitte desselben Kundenkontos.
Ein Vorgang läuft über mehrere Beteiligte mit ZuständigkeitswechselGeht nichtStandardportale kennen Dokumente und Bestellungen, aber keinen Zustand, der von A nach B übergeht und dabei jemandem zur Bearbeitung zufällt.
Ihre Fachlogik entscheidet, was angezeigt wirdGeht nur mit Aufwand, der Eigenbau übersteigtPreisstaffeln, Freigabegrenzen, Verfügbarkeitsregeln — was Ihr Geschäft ausmacht, ist im Standardprodukt eine Ausnahme, die über Skripte nachgebildet wird und bei jedem Update bricht.
Mehrere Parteien arbeiten am selben DatenbestandGeht nichtEin Standardportal denkt in Kunde und Anbieter. Sobald Partner, Dienstleister oder Behörden auf denselben Bestand zugreifen, braucht es eine Mandantentrennung, die als Regel im System liegt.
Wo Standardportale in der Praxis an ihre Grenze kommen

Der letzte Punkt ist der, an dem wir am häufigsten dazukommen. Bei mexxenergie, einem Energiedienstleister in Baden-Württemberg, arbeiten Hausverwaltungen auf ihrem eigenen Ausschnitt eines gemeinsamen Bestands, während für den Vertrieb ein Partnerportal auf dieselben Module zugreift. Für die Außenwelt existiert dabei keine zweite Datenhaltung, die nachgepflegt werden müsste — genau das ist der Unterschied zu einer Lösung, die Daten in ein zweites System kopiert.

Website, Portal oder Fachanwendung?

Die Grenze verläuft technisch, nicht kaufmännisch. Vier Fragen genügen, um sie zu ziehen — und bei einem der drei Ergebnisse sind wir der falsche Anbieter.

Website oder Anwendung?

Vier Fragen. Bei einem der drei Ergebnisse sind wir der falsche Anbieter — dann steht hier, wonach Sie stattdessen suchen.

Melden sich Menschen an, um etwas zu sehen, das nur sie sehen dürfen?

Gemeint ist nicht der Redaktionszugang für Ihre eigene Belegschaft, sondern ein Zugang für Nutzer mit je eigenen Inhalten.

Woraus ein Portal besteht

Kein Katalog zum Ankreuzen, sondern eine Landkarte: Diese Bausteine kommen in fast jedem Portal vor, und der Aufwand steckt selten dort, wo der Name es vermuten lässt.

  • Anmeldung mit Rollen und Rechten. Nicht die Anmeldemaske kostet, sondern die Frage, wer was sehen darf — und wer entscheidet, wenn sich zwei Rollen überschneiden.
  • Stammdaten, Listen und Suche. Die Liste ist schnell gebaut. Filter, Sortierung und eine Suche, die bei zweihunderttausend Datensätzen noch antwortet, sind die Arbeit.
  • Dokumentenablage mit Berechtigung. Hochladen ist trivial. Versionen, Ablauffristen, Freigaben und die Frage, wer eine Datei wieder löschen darf, sind es nicht.
  • Vorgänge mit Zustand. Ein Antrag, ein Auftrag, ein Fall — mit einem Regelwerk, welcher Übergang erlaubt ist und wer ihn auslösen darf. Das ist der Baustein, der ein Portal von einer Ablage unterscheidet.
  • Nachrichten im Vorgang. Die eigentliche Frage lautet nicht, wie benachrichtigt wird, sondern wann jemand nicht benachrichtigt wird — sonst schaltet er nach zwei Wochen alles ab.
  • Anschluss an ERP, Warenwirtschaft oder Buchhaltung. Der teuerste Einzelposten in fast jedem Projekt: fremde Datenmodelle, fremde Fehlerfälle, fremde Wartungsfenster.
  • Auswertungen und Export. Zahlen auf dem Bildschirm sind eine Sache. Dieselben Zahlen als PDF und als Datei, die in Excel richtig in Spalten fällt, sind eine zweite.
  • Barrierefreiheit nach WCAG 2.1 AA. Von Anfang an mitgebaut ein überschaubarer Posten, nachträglich eingezogen ein Vielfaches davon.

Was in dieser Liste bewusst fehlt: eine Aufwandszahl je Baustein. Sie steht auf der Kostenseite, zusammen mit dem Rechner, der die Auswahl in eine Spanne übersetzt — und mit der Erklärung, warum die Angaben im Netz um das Zehnfache auseinandergehen.

Was bei uns läuft

Drei Systeme, drei verschiedene Zuschnitte. Keine Logowand — die Namen stehen hier, weil zu jedem eine Fallstudie oder ein laufender Betrieb gehört.

SystemZuschnittBesonderheit
mexxenergieMandantenfähige Plattform mit vier Fachmodulen auf gemeinsamen StammdatenHausverwaltungen und Vertrieb greifen über eigene Portale auf denselben Bestand zu, ohne zweite Datenhaltung. Die Altbestände zogen im laufenden Betrieb um.
Unser eigenes KundenportalProjekte, Aufgaben, Dateien, Zeiterfassung und Nachrichten in einem ZugangLäuft seit Beginn im Tagesgeschäft. Kunden sehen ihre Projekte und Dateien — und ausdrücklich keine Preise oder internen Aufwände.
OmidBewerbungsstrecke mit nachgelagerter VerarbeitungÜber 200.000 Leads durch eine laufende Pipeline, in der die Maschine vorschlägt und ein Mensch entscheidet.
Portale und portalnahe Systeme aus laufendem Betrieb

Der zweite Eintrag ist der ehrlichste Beleg, den wir haben: Wir betreiben unser eigenes Portal selbst, mit den gleichen Fragen, die jeder Auftraggeber hat — wer darf was sehen, was passiert bei einem Rollenwechsel, wie kommt jemand wieder heraus. Die Trennung zwischen Kundensicht und interner Sicht ist dabei keine Einstellung, sondern eine Regel im System.

Wie ein Portalprojekt bei uns läuft

  1. Analyse und Feinkonzept, ein bis drei Wochen. Ergebnis sind Lastenheft, Architektur und Terminplan — und in einigen Fällen die Empfehlung, es zu lassen.
  2. Entwicklung in Zwei-Wochen-Takten, sechs bis zwanzig Wochen. Alle zwei Wochen sehen Sie eine lauffähige Version, nicht einen Bericht darüber.
  3. Datenmigration und Tests, zwei bis vier Wochen. Hier liegt fast immer die größte Unsicherheit, weil Altdaten selten so sauber sind, wie die Dokumentation behauptet.
  4. Go-live und Schulung, ein bis zwei Wochen. Sie erhalten Produktivsystem, Schulung, Dokumentation und den Quellcode.
  5. Betrieb. Benannter Ansprechpartner, Reaktion innerhalb eines Werktags — und die Frage, wer bei Ihnen zuständig ist, ist zu diesem Zeitpunkt längst beantwortet.

Ein Festpreis gilt, wenn sich der Umfang nach der Analyse mit weniger als zwanzig Prozent Unsicherheit beziffern lässt; Abweichungen gehen dann zu unseren Lasten. Bei unklarer Datenlage oder offenen Schnittstellen rechnen wir nach Aufwand mit vereinbarter Obergrenze — und sagen das vor Vertragsschluss, nicht während der Umsetzung.

Häufige Fragen

Was kostet ein Kundenportal?

Das hängt am Zuschnitt, und die Angaben im Netz gehen um das Zehnfache auseinander — aus Gründen, die sich benennen lassen. Auf unserer Kostenseite steht ein Rechner, der Ihre Auswahl in eine Spanne übersetzt, dazu die Kalenderzeit und die Betriebskosten ab dem zweiten Jahr. Die Rechnung liegt offen darunter.

Können unsere Kunden Preise oder Aufwände sehen?

Nur, wenn Sie das ausdrücklich wollen. In unserem eigenen Portal ist die Trennung fest eingebaut: Kunden sehen ihre Projekte, Aufgaben und Dateien, aber keine Preise und keine internen Aufwände. Das ist keine Einstellung, die jemand versehentlich umlegen kann, sondern eine Regel in der Datenabfrage.

Wie lange dauert es bis zum Go-live?

Für ein Portal mit Anmeldung, Stammdaten, Dokumenten und einem Vorgangstyp liegen wir bei zehn bis sechzehn Kalenderwochen einschließlich Analyse und Abnahme. Jede Anbindung an ein fremdes System verschiebt das nach oben, und zwar meist nicht wegen der Entwicklung, sondern weil auf der anderen Seite jemand antworten muss.

Können wir das Portal später selbst weiterentwickeln?

Ja. Quellcode, Dokumentation und Infrastrukturzugänge gehören zum Lieferumfang, gehostet wird in Deutschland oder der EU. Ehrlich dazu: Wer weiterentwickeln will, braucht Leute, die den Stack beherrschen. Ist diese Rolle intern nicht besetzt, hilft der Codebesitz allein nicht weiter — er sorgt nur dafür, dass Sie die Wahl haben, wen Sie fragen.

Fällt ein Kundenportal unter das BFSG?

Soweit es zu einer erfassten Dienstleistung gehört, ja. Beim Kundenkonto eines Onlineshops ist das eindeutig, bei einer rein internen Verwaltungsoberfläche eindeutig nicht, und dazwischen liegt der Großteil der Portale ohne gerichtliche Klärung. Praktisch spielt die Unterscheidung eine kleinere Rolle als gedacht: Es sind dieselben Muster, und wer sie in der Bibliothek behebt, behebt sie überall.

Was, wenn unsere Kunden das Portal nicht benutzen?

Dann war es die falsche Investition, und das lässt sich vorher abschätzen — an der Kontakthäufigkeit. Wer zweimal im Jahr bestellt, merkt sich kein Passwort. Wir fragen das im Erstgespräch als Erstes, weil die Antwort darüber entscheidet, ob wir überhaupt ein Angebot schreiben.

Wie es weitergeht

45 Minuten mit dem Geschäftsführer. Kostenlos.

Sie beschreiben Ihren Prozess. Wir sagen Ihnen ehrlich, ob sich eine Eigenentwicklung für Sie rechnet — und wenn nicht, welches Standardprodukt besser passt. Danach bekommen Sie eine Einschätzung zu Aufwand und Kosten. Keine Präsentation, kein Verkaufsgespräch.

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